Entlassung beginnt am Tag der Aufnahme
Durch frühzeitige Entlassungsplanung sind Patienten nach dem Klinikaufenthalt bestens versorgtDie Ferienzeit hat wieder einmal offenbart, dass die kurzfristige Entlassung hilfs- oder pflegebedürftiger Menschen aus dem stationären Krankenhausaufenthalt häufig die langfristige (Urlaubs-) Planung durcheinander bringt: „Endlich raus aus der Klinik“, sind sich zwar Patient und Angehörige einig, wenn da nur nicht die Ungewissheit wäre, wie das pflegebedürftige, häufig allein lebende Familienmitglied gut versorgt über die nächsten Wochen kommen soll. Kurzfristige Unterbringung im Heim oder sonstige Betreuung wollen schließlich rechtzeitig organisiert sein. Christa Schnorbus, Sozialarbeiterin bei den Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel, kennt viele solcher Fälle und weiß Abhilfe: Denn seit Neuestem wird hier die Entlassung der Patienten und die Frage nach dem Danach bereits bei der Aufnahme geklärt.
Entlassmanagement heißt der Service, mit dem die Anschlussversorgung und Rundum-Pflege geplant und organisiert wird, wichtig nicht nur zur Reisezeit. Ziel ist es, frühzeitig – im Idealfall bereits bei der Aufnahme – zu erkennen, ob ein Patient nach der Entlassung Pflege benötigt und diese schnell zu veranlassen. Voraussetzung hierfür ist ein optimaler Informationsfluss zwischen Ärzten, Pflegekräften, Sozialdienst und anderen Einrichtungen wie Heimen oder Ambulanten Pflegediensten. Was früher aufeinander folgte, läuft heute parallel: medizinische Versorgung und das Bemühen um die p sychosozialen Aspekte des Krankenhausaufenthaltes und der weiteren Pflege. Patient und Angehörige profitieren nun durch eine nahtlose, ineinander greifende Weiterversorgung mit größtmöglicher Planungssicherheit für alle Beteiligten.
Möglich macht den strukturierten Ablauf die Checkliste „Entlassmanagement“. Sie strukturiert schon bei der Aufnahme alle notwendigen Schritte bis zur Entlassung anhand einer Bedarfserhebung, die Ärzte, Pflegekräfte und der Sozialdienst gemeinsam durchführen. Abgefragt werden der Zustand des Patienten, der Status Quo der Behandlung, der voraussichtliche Entlassungszeitpunkt und die wahrscheinlich benötigte Unterstützung.
Gemeinsam mit anderen Essener Einrichtungen und unter Federführung der Gesundheitskonferenz ist das Projekt „Entlassmanagement“ zu einen stadtweit einheitlichen Konzept gereift. Doch längst nicht alle Einrichtungen, die mit dem Entlassmanagement arbeiten, verfügen über ein solch modernes EDV-System wie die Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel. Es erlaubt die Einbettung des Formulars „Entlassmanagement“ in die elektronische Krankenakte, so dass alle Entlassungsdaten immer auf dem aktuellen Stand sind und von überall abgerufen werden können. Das spart Ärzten und Pflegenden nicht nur Zeit und Papier, sondern bündelt am Ende zuverlässig alle wichtigen Informationen. Pflegedienstleiterin Karin Rademacher zu dem fortschrittlichen e-System: „Wir haben die Arbeitsabläufe deutlich vereinfacht - Papierformulare ade.“ Ein weiteres Plus: „Kein anderes Krankenhaus hat seine Mitarbeiter so umfassend geschult; wir haben über 100 Mitarbeiter in 16 Schulungsterminen fit gemacht mit Demos in der Testdatenbank, bevor wir in den Echtbetrieb geschaltet haben“. Dabei ist das System „Entlassmanagement“ im alltäglichen Tun äußerst flexibel, jede Veränderung im Gesundheitszustand des Patienten wird sofort erfasst und die Entlassplanung entsprechend angepasst. Doch kein System ohne Check: Als letzte verantwortliche Person überprüft die Bereichspflegekraft anhand der Einträge, ob zur Entlassung des Patienten alles Erforderliche veranlasst wurde. Gegebenenfalls erhält der Patient dann einen entsprechenden Pflegeüberleitungsbogen für den Hausarzt oder den Pflegedienst und wird mit einem Mausklick schließlich virtuell entlassen.
Neben der vorausschauenden Planung ist die Betreuung durch den Sozialdienst eine feste Größe in der Pflegeüberleitung. Christa Schnorbus: „Wir begleiten die Menschen bis nach dem Klinikaufenthalt - auch das meint ‚ganzheitliche Betreuung’. Die Angehörigen schätzen diese Unterstützung sehr, vor allem einen festen Ansprechpartner zu haben, bedeutet für viele ein Halt in schwierigen Situationen.“ Zur Pflegeüberleitung gehört etwa das Organisieren von Hilfsmitteln aus dem Sanitätshaus, Absprachen mit dem Medizinischen Dienst bzgl. der Pflegeeinstufung oder die Planung einer so genannten Heimbeatmung, mit deren Hilfe auch schwerkranke Menschen zuhause weiter versorgt werden können. Der Service, ein Heim zu suchen oder den passenden ambulanten Pflegedienst zu vermitteln, gilt sogar bundesweit, „wenn’s nötig ist, auch bis nach Flensburg“, berichtet die Diplom-Sozialarbeiterin. Individuelle Vorstellungen von Patienten und deren Angehörigen stehen dabei immer im Vordergrund, in den meisten Fällen bedeutet das vor allem eine wohnortnahe Vermittlung der Hilfsangebote.
In Zeiten immer kürzerer Verweildauern haben die Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel dank des strukturierten Entlassmanagements die Gewissheit, ihre Patienten gut versorgt zu entlassen und so wesentlich dazu beizutragen, unnötige Wiederaufnahmen zu verhindern. Dass das Entlassmanagement gut zwei Monate nach dem Start nicht nur bei den Patienten auf positive Resonanz stößt, weiß Karin Rademacher schon jetzt: „Wenn alle Mitarbeiter wie selbstverständlich mit dem e-Formular „Entlassmanagement“ umgehen, dann haben wir alles richtig gemacht.“
Ihre Ansprechpartner:
Karin Rademacher | Pflegedienstleiterin, Tel. (0201) 455-1103
Christa Schnorbus | Sozialdienst, Tel. (0201) 455-1030


